Die Vorstellung, ein Zahnimplantat einsetzen zu lassen, wirkt für viele Menschen zunächst unrealistisch, wenn eine Parodontose vorliegt. Die chronische Zahnfleischschwund lässt Zweifel aufkommen, ob künstliche Zahnwurzeln in einem geschädigten Knochengerüst überhaupt Halt finden. Doch die gute Nachricht lautet: Ein Implantat ist durchaus möglich – allerdings unter bestimmten Bedingungen. Wir zeigen Ihnen, welche Faktoren entscheidend sind und wie Sie als Patient vorgehen sollten.
Die Grundlage verstehen: Parodontose und ihre Folgen
Parodontose ist eine schleichende Erkrankung des Zahnbettes, bei der sich das Zahnfleisch und der Kieferknochen zurückbilden. Anders als die besser bekannte Parodontitis, die durch Entzündung vorangetrieben wird, verläuft die Parodontose häufig schmerzlos. Das macht sie tückisch: Viele Menschen bemerken den fortgeschrittenen Zahnverlust erst, wenn es bereits zu spät ist.
Der fehlende Halt durch Knochen und Bindegewebe führt dazu, dass Zähne gelockert werden und ausfallen. Hier setzt der Gedanke an ein Implantat ein. Allerdings stellt sich die nahe liegende Frage: Kann ein neuer Zahn in einem Kiefer, der bereits unter Substanzverlust leidet, dauerhaft bestehen?
Warum die Ausgangslage nicht hoffnungslos ist
Das Schlüsselwort heißt Kontrolle. Ein Implantat kann auch bei Parodontose funktionieren, wenn die Erkrankung vorher vollständig behandelt und stabilisiert wurde. Das bedeutet konkret: Die Entzündung muss zum Stillstand gekommen sein, die Zahnfleischaftetasche muss abgeheilt sein, und Ihr Zahnarzt oder Parodontologe muss die Situation langfristig für stabil halten.
Anders als echte Zahnwurzeln, die von lebender Zahnsubstanz umgeben sind, brauchen Implantate ein stabiles Knochengerüst. Haben Sie eine Parodontose erfolgreich überwunden, kann Ihnen ein Implant gute Dienste leisten. Es gibt sogar Verfahren, um den Kieferknochen wieder aufzubauen, falls dieser zu sehr abgebaut ist.
Was vor einem Implantat geschehen muss
Der Weg zu einem Zahnimplantat bei Parodontose läuft in mehreren Schritten ab:
- Umfassende Diagnose und Befundaufnahme durch einen Parodontologen
- Behandlung der Parodontose (Tiefenreinigung, ggf. mikrochirurgische Verfahren)
- Abheilen lassen und Rückgang der Entzündung über mehrere Wochen bis Monate
- Knochenaufbau, falls der Substanzverlust zu erheblich ist
- Häufig: Parodontale Vorbehandlung und wiederholte Kontrolltermine
- Implantatplanung und 3D-Bildgebung (DVT)
- Implantateinbringung in stabilem, ausverheiltem Zuststand
Die entscheidende Voraussetzung lautet: Die Parodontose muss als ausgeheilt und stabil gelten. Solange noch Taschentiefe vorhanden ist oder Entzündungszeichen bestehen, würde ein Implantat auf einen labilen Untergrund treffen und könnte schnell wieder verloren gehen.
Knochenaufbau als Brückenlösung
Bei erheblichem Knochenabbau durch Parodontose reicht die vorhandene Substanz manchmal nicht aus, um ein Implantat sicher zu verankern. Hier kommen Regenerationsverfahren zum Einsatz. Diese Techniken nutzen spezielle Membranen, Knochenersatzstoffe oder sogar körpereigenes Gewebe, um Defekte auszugleichen und Knochen wieder aufzubauen.
Solche Verfahren brauchen Zeit. Der Aufbau dauert mehrere Monate, ehe der Kieferknochen stabil genug für ein Implantat ist. Allerdings spart sich der Patient damit oft lange Wartezeiten auf passgenaue Brücken oder Prothesen und gewinnt größere Sicherheit durch die künstliche Zahnwurzel.
Das Infektionsrisiko richtig einschätzen
Patienten mit Parodontose neigen generell zu einer erhöhten Entzündungsneigung im Mund. Das Immunsystem ist in diesem Bereich empfindlicher und reagiert schneller auf Reize. Ein Implantat könnte daher theoretisch schneller von einer ähnlichen Entzündung (Periimplantitis) befallen werden wie die vorherigen Zähne von Parodontose.
Doch auch hier gibt es Entwarnung: Wer seine Parodontose erfolgreich überstanden hat und das Immunsystem unter Kontrolle hat, kann mit modernen Implantaten und gewissenhafter Mundpflege ein ähnlich stabiles Resultat erzielen wie Patienten ohne Vorgeschichte. Die langfristigen Erfolgsquoten zeigen das: Fachgerecht durchgeführte Implantate halten bei Parodontose-Patienten oft genauso lange wie bei anderen.
Dauer zwischen Zahnverlust und Implantat
Eine häufige Frage ist, wie lange ein Patient nach dem Zahnverlust warten sollte, bevor das Implantat eingebracht wird. Bei Parodontose lautet die Antwort: So lange, bis die Erkrankung vollständig ausgeheilt ist. Das kann zwischen 3 und 12 Monaten dauern, je nach Schweregrad und Regenerationsgeschwindigkeit.
In dieser Wartezeit sollten Sie nicht untätig sein. Stattdessen finden regelmäßige Kontrolltermine statt, um den Heilungsverlauf zu überwachen. Auch die Zahnhygiene wird unter Anleitung optimiert, um zukünftige Entzündungen zu verhindern. Manche Patienten nutzen diese Zeit auch für eine professionelle Zahnreinigung oder tragen eine provisorische Lösung (wie eine Prothese), um die Kaufunktion aufrechtzuerhalten.
Was Sie selbst zur Stabilität beitragen
Ein Implantat ist kein wartungsfreies System. Besonders nach einer Parodontose-Erkrankung ist die häusliche Mundpflege entscheidend. Folgende Maßnahmen sind unverzichtbar:
- Zweimal täglich gründliches Zähneputzen mit Zahnseide
- Regelmäßige Spülung mit antimikrobieller Mundwasserlösung (je nach Zahnarztempfehlung)
- Mindestetliche halbjährliche Zahnreinigung in der Praxis
- Sofortige Meldung von Schwellungen, Zahnfleischbluten oder Schmerzen an den Zahnarzt
- Verzicht auf Rauchen, da es die Heilung stark beeinträchtigt
Wer diese Regeln befolgt, gibt dem Implantat die beste Chance, über Jahrzehnte hinweg zu funktionieren. Die Prognose ist dann keineswegs schlechter als bei Patienten ohne Parodontose-Vergangenheit.
Die psychologische und funktionale Dimension
Ein Zahnimplantat bietet neben der Ästhetik auch erhebliche funktionelle Vorteile. Während Brücken oder Prothesen den Kiefer zusätzlich belasten können, trägt ein Implantat seine eigene Last und stimuliert natürlicherweise den Kieferknochen. Das kann den Knochenabbau sogar bremsen, der ohne Stimulation durch Kaugraft weiter fortschreitet.
Auch psychological erleichtert ein festsitzendes Implantat vielen Menschen erheblich den Alltag. Keine Angst mehr vor dem Herausfallen einer Prothese, kein Umgang mit Reinigungstabletten, keine Speiseeinschränkungen. Das verbessert die Lebensqualität nachhaltig – ein nicht zu unterschätzender Faktor bei der Therapieplanung.
Wann Implantate nicht empfohlen werden
Es gibt auch Situationen, in denen Zahnärzte von einem Implantat abraten, selbst wenn die Parodontose behandelt wurde:
- Unkontrollierte oder aktiv entzündete Parodontose (nicht ausgeheilt)
- Extremer Knochenabbau ohne realistische Regenerationschance
- Fortgeschrittene allgemeine Erkrankungen (z. B. unkontrollierter Diabetes), die die Wundheilung stark beeinträchtigen
- Übermäßiger Tabakkonsum, der die Osseintegration (Knochenanbindung) behindert
- Mangelnde Compliance des Patienten hinsichtlich Mundpflege und Nachsorge
- Schwere immunologische Störungen
In diesen Fällen sind Brücken, Teilprothesen oder andere Zahnersatzoptionen oft die bessere Wahl. Der Zahnarzt wird die Vor- und Nachteile gemeinsam mit Ihnen erörtern.
Die Rolle des richtigen Zahnarztes
Bei Parodontose-Patienten ist die Wahl des richtigen Behandlers entscheidend. Idealerweise sollten Sie einen Zahnarzt aufsuchen, der entweder selbst in Parodontologie fortgebildet ist oder eng mit einem Parodontologen zusammenarbeitet. Diese Fachleute verstehen die speziellen Anforderungen und können realistisch einschätzen, ob und wann ein Implantat sinnvoll ist.
Ein guter Zahnarzt wird Sie nicht gleich zum Implantat drängen, sondern erst die Parodontose vollständig heilen und alle Abläufe stabilisieren. Danach erfolgt ein ausführliches Planungsgespräch mit moderner Bildgebung. So stellen Sie sicher, dass das Implantat auf einem sicheren Fundament ruht.
Erfolgsaussichten und Langzeitstabilität
Aktuelle Forschung zeigt: Implantate bei Patienten mit Parodontose-Anamnese haben ähnlich gute Erfolgsquoten wie bei Patienten ohne diese Vorgeschichte – vorausgesetzt, die Erkrankung wurde vollständig behandelt und die Nachsorge ist gewissenhaft. Nach 5 Jahren weisen durchschnittlich 90–95 % der Implantate noch eine volle Funktion auf, unabhängig vom bisherigen Parodontose-Status.
Damit diese Quote eingehalten wird, sind regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen wichtig. Der Zahnarzt kontrolliert die Implantatschraube auf Lockerung, das Zahnfleisch auf Entzündungszeichen und die Kaufläche auf Verschleiß. Bei rechtzeitiger Intervention können Probleme geklärt werden, ehe sie zum Implantatverlust führen.
Praktische Schritte zur Implantatrealisierung
Wenn Sie unter Parodontose leiden und ein Implantat anstreben, folgen diese Schritte einer bewährten Abfolge:
- Termin bei Ihrem Zahnarzt oder Parodontologen: Diagnose und Schweregrad der Parodontose klären
- Parodontale Therapie einleiten: Professionelle Zahnreinigung, Zahnsteinentfernung, ggf. Taschentiefen-Reduktion
- Vier bis acht Wochen warten und Zahnfleisch heilen lassen
- Nachkontrolle: Überprüfung, ob alle Entzündungszeichen abgeklungen sind
- Bei gutem Heilverlauf: Zahnfilm und 3D-Aufnahmen zur Implantatplanung anfertigen
- Ausführliches Beratungsgespräch mit Vor- und Nachteilen verschiedener Lösungen
- Implantatoperation planen und durchführen (üblicherweise unter Lokalanästhesie)
- Einheilungsphase von 3–6 Monaten einhalten, während der Knochen und Implantat verwachsen
- Abformung und Zahnkrone anfertigen
- Regelmäßige Kontrolltermine (mindestens halbjährlich)
Diese Vorgehensweise mag lange wirken, doch sie sichert ab, dass das Implantat auf festem Boden steht und langfristig hält.
Alternative Zahnersatzlösungen im Überblick
Nicht jeder Patient mit Parodontose wünscht oder braucht ein Implantat. Andere Möglichkeiten sind:
- Zahnbrücke: Verbindet Nachbarzähne miteinander; erfordert oft das Schleifen gesunder Zähne und hält typischerweise 5–10 Jahre
- Teilprothese: Herausnehmbar, günstiger, aber gewöhnungsbedürftig; reduziert oft das Geschmacksempfinden
- Vollprothese: Bei mehrfachem Zahnverlust; ästhetik und Funktion sind oft nicht optimal
- Zahnkrone: Bei Erhalt des Restzahnes; schützt vor weiterer Zerstörung, kostet aber weniger als ein Implantat
Ein offenes Gespräch mit Ihrem Zahnarzt hilft, die beste Lösung für Ihre Situation zu finden. Manchmal ist die Kombination mehrerer Methoden sinnvoll.
Kostenfaktor und Versicherung
Implantate sind eine Investition. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt in Deutschland üblicherweise nur einen Zuschuss zur Brücke oder Prothese, nicht zum Implantat selbst. Der eigene Kostenanteil liegt je nach Praxis zwischen 1.500 und 3.500 Euro pro Implantat (einschließlich Krone und Aufbau).
Eine Zahnzusatzversicherung kann diese Kosten zu einem großen Teil decken, sofern Sie vor der Diagnose „Parodontose“ versichert worden sind. Hier sollten Sie frühzeitig prüfen, welche Leistungen Ihre Police vorsieht. Manche Zahnärzte bieten auch Ratenzahlungsmodelle an, um die finanzielle Last zu verteilen.
Zahnfleischgesundheit als Voraussetzung für die Implantatbehandlung
Bevor wir uns der Frage widmen, ob ein Implantat bei Parodontose möglich ist, müssen wir verstehen, dass die Mundgesundheit die Grundlage für jeden erfolgreichen Zahnersatz darstellt. Die parodontale Erkrankung beschädigt nicht nur das Zahnfleisch und den Kieferknochen, sondern beeinflusst auch das Immunsystem des Mundes. Ein Implantat benötigt jedoch ein stabiles Umfeld, um dauerhaft in den Knochen einzuheilen und fest verwurzelt zu bleiben.
Wir müssen zunächst die Parodontose vollständig zum Stillstand bringen, bevor wir an eine Implantatversorgung denken können. Das bedeutet eine konsequente Behandlung der Zahnfleischerkrankung durch professionelle Maßnahmen und Ihre aktive Mitarbeit im Alltag. Die Zahntasche müssen gründlich gereinigt werden, und Ihre Mundhygiene muss auf ein Niveau gebracht werden, das den Heilungsprozess unterstützt.
Diagnostische Verfahren zur Beurteilung der Ausgangssituation
Um festzustellen, ob Sie für ein Implantat geeignet sind, führen wir mehrere diagnostische Untersuchungen durch. Diese geben uns Aufschluss über den aktuellen Zustand Ihres Zahnfleisches, des Knochens und Ihres allgemeinen Mundgesundheitsstatus.
- Klinische Inspektion und Sondierungsmessungen zur Erfassung der Taschentiefe
- Digitale Röntgenaufnahmen und 3D-Aufnahmen (Computertomografie) zur Analyse der Knochenstruktur
- Blutungs- und Entzündungsindizes zur Bewertung der Zahnfleischgesundheit
- Mikrobiologische Untersuchungen, falls nötig, um aggressive Keimstämme zu identifizieren
Diese Untersuchungen ermöglichen es uns, einen individuellen Behandlungsplan für Sie zu erstellen. Sie zeigen uns auch, welche zusätzlichen Schritte notwendig sind, bevor wir mit der Implantatversorgung beginnen können.
Die parodontale Vorbehandlung: Ein entscheidender Meilenstein
Nachdem wir die Diagnose gestellt haben, beginnt die sogenannte parodontale Vorbehandlung. Dies ist nicht optional, sondern ein wesentlicher Bestandteil des Prozesses. In dieser Phase werden alle entzündlichen Prozesse gelöscht und die Mundflora wieder ins Gleichgewicht gebracht.
Die Maßnahmen umfassen eine gründliche Reinigung unter und über der Zahnfleischlinie, die Entfernung von Zahnstein und die Glättung der Wurzeloberflächen. Bei tieferen Taschen können auch chirurgische Verfahren notwendig sein, um die betroffenen Bereiche zugänglich zu machen. Je nach Schweregrad der Parodontose kann diese Phase mehrere Wochen bis Monate in Anspruch nehmen.
Während dieser Zeit erhalten Sie von uns auch gezielte Anweisungen zur Mundpflege. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Ihre Zähne und Implantate später optimal pflegen, um deren Langzeitbestand zu sichern. Die Compliance – also Ihre aktive Mitwirkung – ist in dieser Phase entscheidend für den Erfolg.
Der Heilungsprozess und die Wartezeit vor dem Implantat
Nach der Vorbehandlung benötigen Ihr Zahnfleisch und der Knochen Zeit zur Regeneration. Während dieser Heilungsphase beobachten wir regelmäßig, wie gut die Entzündung zurückgeht und wie stabil der Zustand wird. Erst wenn wir sehen, dass die Parodontose zum Stillstand gekommen ist und keine aktiven Entzündungszeichen mehr vorhanden sind, können wir zum nächsten Schritt übergehen.
Diese Wartezeit ist nicht wasted time – sie ist ein wichtiger Puffer, der Komplikationen verhindert. Sie gibt uns Sicherheit, dass das Implantat in einem stabilen und gesunden Umfeld eingesetzt werden kann. In dieser Zeit können auch weitere bildgebende Untersuchungen durchgeführt werden, um den genauen Implantatstandort zu planen.
Entzündungsmarker und ihre Bedeutung für die Implantatplanung
Während der Heilungsphase achten wir besonders auf sogenannte Entzündungsmarker. Diese biochemischen Indikatoren zeigen uns, ob die parodontale Erkrankung wirklich unter Kontrolle ist oder ob noch verborgene Infektionsherde vorhanden sind. Manche Patienten haben oberflächlich gesehen ein gesundes Zahnfleisch, aber unter der Oberfläche sind noch problematische Bereiche vorhanden.
Diese Marker helfen uns, ein realistisches Bild der Situation zu zeichnen. Sollten sie erhöht sein, verschieben wir die Implantatbehandlung und intensivieren stattdessen die parodontale Therapie. Dies mag zeitraubend erscheinen, aber es ist eine Investition in die langfristige Stabilität Ihres Implantats.
Besonderheiten bei fortgeschrittenen Fällen mit Knochenabbau
Bei einigen Patienten hat die Parodontose bereits zu erheblichem Knochenabbau geführt. In diesen Fällen ist der geplante Implantatstandort möglicherweise nicht mehr ausreichend mit Knochen versorgt. Hier können wir verschiedene Verfahren anwenden, um das Knochenlager wieder aufzubauen.
Eine häufig angewendete Technik ist das Bone Grafting, bei dem Material zur Knochenregeneration in den betroffenen Bereich eingefügt wird. Dieses Material kann körpereigen sein (aus einer anderen Region des Kiefers entnommen), oder wir verwenden spezielle biomaterialien, die die Knochenbildung unterstützen. Nach dem Aufbau ist wiederum eine Wartezeit erforderlich, bis der Knochen stabil genug für das Implantat ist.
Patientengruppen mit erhöhtem Behandlungsaufwand
Es gibt bestimmte Konstellationen, bei denen der Weg zur Implantatbehandlung aufwendiger wird. Patienten mit aggressiver Parodontose, die viele Zähne verloren haben oder bei denen der Knochenabbau sehr ausgedehnt ist, benötigen einen intensiveren Ansatz.
Auch Patienten mit systemischen Erkrankungen – etwa Diabetes oder Immunerkrankungen – erfordern eine besondere Betreuung. Hier müssen wir die Grunderkrankung so gut wie möglich einstellen, bevor wir ein Implantat setzen. Raucher haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko für Implantatverlust nach Parodontose. Idealerweise sollte vor der Implantatbehandlung ein Nikotinverzicht angestrebt werden, mindestens aber eine deutliche Reduktion.
Rauchen, Ernährung und weitere Einflussfaktoren
Während der gesamten Behandlung spielen Ihre persönlichen Lebensgewohnheiten eine große Rolle. Rauchen behindert die Wundheilung und erhöht das Entzündungsrisiko erheblich. Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitaminen – besonders Vitamin C und D – unterstützt dagegen die Regeneration von Zahnfleisch und Knochen.
Auch Stress kann sich negativ auf die Zahnfleischgesundheit auswirken. Wenn Sie unter chronischem Stress leiden, kann dies die Heilung verlangsamen. Wir empfehlen unseren Patienten daher, auch auf diese Aspekte zu achten, wenn sie sich einem Implantat unterziehen.
Die Rolle der Langzeitprognose bei parodontal vorgeschädigten Patienten
Ein wichtiger Punkt, den wir mit Ihnen besprechen, ist die Langzeitprognose des Implantats. Patienten, die bereits Parodontose hatten, haben statistisch ein etwas höheres Risiko für eine sogenannte Periimplantitis – eine Entzündung um das Implantat herum. Dies ist jedoch kein Grund zur Resignation, sondern ein Grund für engmaschigere Nachsorge.
Mit strikter Mundhygiene, regelmäßigen Kontrollbesuchen und professionellen Reinigungen kann dieses Risiko minimiert werden. Viele Patienten, die eine Parodontose überwunden haben und dann ein Implantat erhalten, pflegen ihr Implantat sogar besser als andere, weil sie wissen, wie wichtig Zahnfleischgesundheit ist.
Individuelle Planung und die Bedeutung der Gesamtschau
Jeder Fall von Parodontose und jedem Patienten ist unterschiedlich. Deshalb erstellen wir für Sie einen maßgeschneiderten Behandlungsplan, der nicht nur die technischen Aspekte berücksichtigt, sondern auch Ihr Alter, Ihre Gesundheit, Ihre Compliance und Ihre Ziele.
Manche Patienten sind bereit, mehrere Monate und verschiedene Vorbehandlungen in Kauf zu nehmen, um ein Implantat zu bekommen. Andere entscheiden sich bewusst für alternative Lösungen, die schneller zum Ziel führen. Beide Entscheidungen sind legitim, und wir werden Sie in beiden Fällen optimal beraten und versorgen.
Häufig gestellte Fragen zu Implantaten bei Parodontose
Kann man ein Implantat einsetzen, wenn die Parodontose noch nicht vollständig behandelt ist?
Nein, eine aktive Parodontose ist eine Kontraindikation für die Implantatbehandlung. Wir müssen zunächst die Entzündung vollständig unter Kontrolle bringen und die Mundhygiene stabilisieren, bevor wir ein Implantat in den Kiefer einbringen. Ein Implantat in einem entzündungsaktiven Umfeld hätte eine deutlich schlechtere Einheilungsrate und ein erhöhtes Infektionsrisiko.
Wie lange muss ich nach der Parodontose-Behandlung warten, bevor ein Implantat möglich ist?
Dies ist individuell unterschiedlich und hängt vom Schweregrad der vorangegangenen Erkrankung ab. In der Regel rechnen wir mit einem Zeitraum von 3 bis 6 Monaten nach Abschluss der parodontologischen Therapie. Während dieser Zeit überprüfen wir regelmäßig, ob die Entzündungswerte stabil sind und die Mundhygiene dauerhaft gewährleistet wird.
Besteht ein höheres Risiko, dass das Implantat bei mir nicht hält?
Patienten mit einer Vorgeschichte von Parodontose haben tatsächlich ein leicht erhöhtes Risiko für Periimplantitis, also eine Entzündung um das Implantat herum. Dieses Risiko lässt sich aber durch optimale Mundhygiene, regelmäßige Kontrollen und eine spezialisierte Nachsorge erheblich reduzieren. Die Erfolgsquoten bleiben auch bei früheren Parodontose-Patienten hoch, wenn diese Punkte konsequent umgesetzt werden.
Wird mein Zahnfleisch wieder genauso angeschwollen, wenn ich ein Implantat bekomme?
Das Implantat selbst ist nicht anfällig für Karies oder klassische Zahnfleischentzündungen wie ein natürlicher Zahn. Allerdings können sich um das Implantat herum ähnliche Entzündungen entwickeln, wenn die Mundhygiene nachlässig wird. Deshalb ist bei Ihnen eine noch gewissenhaftere tägliche Reinigung und ein engmaschiges professionelles Recall notwendig als bei Patienten ohne Parodontose-Vorgeschichte.
Muss ich nach der Implantatbehandlung spezielle Zahnpasten oder Mundspülungen verwenden?
Wir empfehlen in vielen Fällen eine antibakterielle Mundspülung für die Einheilungsphase nach dem Implantatsetzen. Danach reichen in der Regel hochwertige Standardprodukte aus, die speziell für empfindliche Zahnhälse oder für die Parodontitis-Prophylaxe entwickelt wurden. Wichtiger als die Produktwahl ist die konsequente und sorgfältige Anwendung.
Kann ich mit einem Implantat wieder ganz normal essen?
Ja, sobald das Implantat vollständig eingeheilt und die Krone eingesetzt ist, können Sie damit wie mit einem natürlichen Zahn zubeißen und kauen. Es gibt keine Einschränkungen bei normal festen Speisen. Allerdings sollten Sie extrem harte Materialien wie Nussschalen oder Eiswürfel auch bei natürlichen Zähnen vermeiden, um weder das Implantat noch Ihre restlichen Zähne zu gefährden.
Wie oft muss ich zur Kontrolle gehen, wenn ich ein Implantat habe?
Wir empfehlen für Patienten mit Parodontose-Vorgeschichte mindestens vier professionelle Kontrolluntersuchungen pro Jahr, statt der üblichen zwei bis drei Termine. Diese erweiterte Frequenz ermöglicht uns, frühzeitig zu erkennen, wenn sich erste Anzeichen einer Periimplantitis zeigen, und entsprechend gegenzusteuern.
Gibt es Gründe, warum mir ein Implantat trotz erfolgreicher Parodontose-Therapie nicht empfohlen werden könnte?
Ja, es gibt Situationen, in denen wir eher zu alternativen Lösungen raten würden: wenn der Kieferknochen zu dünn ist und ein aufwendiger Knochenaufbau nötig wäre, wenn schwerwiegende Allgemeinerkrankungen wie unkontrollierter Diabetes vorliegen, oder wenn die Compliance bei der häuslichen Mundhygiene nicht verlässlich gegeben ist. In solchen Fällen besprechen wir mit Ihnen zusammen, welche anderen Zahnersatzoptionen infrage kommen.
Fazit
Ein Zahnimplantat ist auch nach überstandener Parodontose eine realistische und bewährte Lösung für den Zahnersatz. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der vollständigen Ausheilung der Grunderkrankung, einem stabilen Mundhygiene-Verhalten und einer engmaschigen Überwachung nach der Implantatbehandlung. Wenn Sie diese Anforderungen erfüllen und sich zahnärztlich beraten lassen, steht einem langlebigen Implantat in den meisten Fällen nichts im Wege. Wir begleiten Sie gerne auf diesem Weg und sorgen dafür, dass Ihr Zahnersatz sicher verankert und funktional ist.